Die majestätische Kulisse der Alpen in den warmen Jahreszeiten von hoch oben erleben: ein Szenario, das auch heute noch eine ungebrochene Faszination auf Menschen ausübt. Doch wer an dieser Stelle nicht unbedingt die Gipfel bezwingen will, auf den wartet hier eine Alternative: Höhenwanderwege. Sie sind ein Netzwerk aus Pfaden, die weit über den Tälern thronen und die als Königsdisziplin für Wanderer. Das weiß auch HolidayTrex und zeigt jetzt, wo die besten Höhenwanderwege in den Alpen zu finden sind, was sie ausmacht und wie Aktivurlauber sie komfortabel, aber dennoch sportlich anspruchsvoll bezwingen können.
Was ist ein Höhenwanderweg?
Ein Höhenwanderweg verläuft in der Regel in konstanter, exponierter Lage. Im Gegensatz zu Talwanderungen oder direkten Gipfelaufstiegen führt er über längere Strecken über Hochplateaus, entlang von Gebirgskämmen oder an den Flanken eines Massivs. Dabei bewegen sich Wanderer auf einer erhöhten Route mit weiter Aussicht und alpinem Charakter.
Definition und Besonderheiten
Historisch gesehen sind viele Höhenwege aus praktischer Notwendigkeit entstanden. So sind es alte Säumerpfade, militärische Versorgungsrouten oder Schmugglersteige, die bis heute häufig die Basis der Wanderwege sind. Moderne, neu angelegte Höhenwanderwege zeichnen sich hingegen durch eine direkte Linienführung aus, wo die Route nach einem anfänglichen Aufstieg, der oft auch mit einer Bergbahn möglich ist, meist auf gleichbleibender Höhe bleibt. So können Wanderer stunden- oder tagelang in alpiner Umgebung zwischen Felslandschaften und Bergseen unterwegs sein. Das Routenangebot reicht dabei von breiten, gut ausgebauten Pfaden bis zu schmalen, ausgesetzten Steigen mit Drahtseilen und Trittstufen.
Vorteile von Wanderwegen in Höhenlage
Wanderungen in großer Höhe haben selbstverständlich Vorteile gegenüber normalen Wanderwegen im Flachland. Denn ab einer Höhe von etwa 2.000 m ist die Luft reiner, kühler und allergenärmer. Die Folge: Das Herz-Kreislauf-System wird nur auf eine moderate Weise gefordert und die Regeneration wird unterstützt. Zudem sorgt das stabile, kühlere Klima selbst an heißen Sommertagen für angenehme Bedingungen und ein leistungsförderndes Umfeld.
Dazu haben die Ausblicke in den Bergen auch eine „psychologische“ Wirkung, denn der freie Blick über die Gipfel wirkt entschleunigend und schafft Abstand zum Alltag. Und zudem können in alpinen Höhenlagen Murmeltiere, Gämsen und Steinböcke sowie Pflanzen wie Alpenrosen, Enziane und Zirben in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden.
10 der schönsten Höhenwanderwege der Alpen
| Höhenwanderweg | Region | Höchster Punkt | Länge | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Lünersee Rundweg | Rätikon (Österreich) | 1.970 m | 6 km | leicht |
| Zirbenweg | Tuxer Alpen (Österreich) | 2.061 m | 7 km | leicht |
| Olperer Hütte | Zillertaler Alpen (Österreich) | 2.389 m | 6 km | mittel |
| Latzfonser Kreuz | Sarntaler Alpen (Italien) | 2.311 m | 13 km | mittel |
| Stubaier Höhenweg | Stubaier Alpen (Österreich) | 2.881 m | 80 km | schwer |
| E5 (Teilstrecke) | Allgäuer Alpen (Deutschland, Österreich, Italien) | 3.019 m | 100 km | schwer |
| Dolomiten Weg Nr. 1 | Dolomiten (Italien) | 2.752 m | 125 km | schwer |
| Spaghettirunde | Monte Rosa (Schweiz, Italien) | 4.563 m | 58 km | sehr schwer |
| Karwendel Höhenweg | Karwendel (Österreich) | 2.699 m | 70 km | sehr schwer |
| Berliner Höhenweg | Zillertaler Alpen (Österreich) | 3.134 m | 71 km | sehr schwer |
Die schönsten Tagestouren für Einsteiger
Lünersee Rundweg (Rätikon – Österreich)
- Länge: 6 km
- Höhe: 1.970 m
- Schwierigkeit: leicht
Der Lünersee, der am Ende des Brandnertals liegt und oft als „Perle des Rätikons“ bezeichnet wird, befindet sich auf einer Höhe von 1.970 m. Er beeindruckt mit seinem türkisfarbenen Wasser, das sich vor den Kalkwänden der Schesaplana erstreckt. Der rund 6 km lange Höhenwanderweg startet seinerseits an der Bergstation der Lünerseebahn und verläuft nahezu ohne Steigungen. Für Familien gibt es hier am Wegesrand etwa Murmeltiere zu entdecken oder in der Douglass-Hütte einzukehren. Ambitionierte Wanderer wählen dagegen den Abstecher zur Totalphütte, von wo aus sich ein weiter Blick über das gesamte Montafon bietet.
Zirbenweg (Tuxer Alpen – Österreich)
- Länge: 7 km
- Höhe: 2.061 m
- Schwierigkeit: leicht
Der Zirbenweg zwischen Patscherkofel und Glungezer verläuft oberhalb der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck auf rund 2.000 m Höhe durch einen, wie der Name schon sagt, der ältesten Zirbenbestände Europas. Und das Beste daran: Der Duft der Bäume senkt nachweislich die Herzfrequenz. Auf dem etwa 7 km langen, fast ebenen Pfad warten immer wieder Stellen, an denen sich Blicke auf Innsbruck, das Inntal und das Karwendel bieten. Als Höhenwanderweg ist der Zirbenweg ideal für Genießer und Aktivurlauber, die das Panorama auf rund 400 Gipfel genießen wollen.
Wanderung zur Olperer Hütte (Zillertaler Alpen – Österreich)
- Länge: 6 km
- Höhe: 2.389 m
- Schwierigkeit: mittel
Die auf 2.389 m Höhe gelegene Olperer Hütte in den Zillertaler Alpen ist hauptsächlich durch ihre fotogene Hängebrücke aus der Social Media-Welt bekannt. Der etwa eineinhalbstündige und 6 km lange Aufstieg vom Schlegeis-Stausee aus führt dabei hoch über Kehren und Steinstufen, durch Zirbenwälder sowie über Almmatten. Oben thront dann die Hütte über dem türkisfarbenen See und ist von Gletschern wie dem Hochfeiler umrahmt. Von hier aus geht dann auch noch mit der Neumarkter Runde eine erweiterte Höhenwanderung ab.
Latzfonser Kreuz (Sarntaler Alpen – Italien)
- Länge: 13 km
- Höhe: 2.311 m
- Schwierigkeit: mittel
Auf dem 2.311 m hohen Latzfonser Kreuz in Südtirol liegt die höchstgelegene Wallfahrtskirche Europas und wartet zudem mit einem beeindruckenden Ausblick auf die Dolomiten auf. Der Weg vom Parkplatz Kühhof aus verläuft über breite Almwege und führt vorbei an der Klausner Hütte. Die technisch unkomplizierte Gipfelwanderung eignet sich für Familien und Naturliebhaber, die dort das Panorama genießen wollen, das von den Geislerspitzen über den Langkofel bis weit in den Süden Südtirols reicht.
Die beliebtesten Mehrtagestouren
Stubaier Höhenweg (Stubaier Alpen – Österreich)
- Länge: 80 km
- Höhe: 2.881 m
- Schwierigkeit: schwer
Der 80 km lange Stubaier Höhenweg umrundet, wie der Name schon sagt, das Stubaital, ohne dass Aktivurlauber hier ins Tal absteigen müssen. Entlang des Höhenwanderweges liegen viele Berghütten, die, von der modernen Dresdner Hütte bis zur urigen Regensburger Hütte, ihren eigenen Charakter haben. Auf der Route führen die Etappen an Wasserfällen und Bergseen vorbei, von wo sich teilweise auch Ausblicke auf die Gletscher des Stubaier Hauptkamms bieten.
E5 Alpenüberquerung (Allgäuer Alpen – Deutschland, Österreich, Italien)
- Länge: 100 km
- Höhe: 3.091 m
- Schwierigkeit: schwer
Die Route von Oberstdorf nach Meran ist ein Klassiker der Alpenüberquerungen. Auf dem E5 durchqueren Wanderer in sechs bis acht Tagen insgesamt drei Länder und vier Gebirgsgruppen. Auf dieser Teilstrecke passieren sie dabei das Sperrbachtobel und die Kemptner Hütte, laufen über den Hauptkamm der Allgäuer Alpen sowie durch die Lechtaler Alpen. Und am Ende wartet schließlich das Inntal, dabei wartet im Ötztal ein echtes Highlight, wenn es am Hauslabjoch an der Ötzi-Fundstelle in über 3.000 m Höhe vorbeigeht.
Dolomiten Höhenweg Nr. 1 (Dolomiten – Italien)
- Länge: 125 km
- Höhe: 2.752 m
- Schwierigkeit: schwer
Der 125 km lange „Weg der Giganten“ erstreckt sich vom Pragser Wildsee durch das UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten bis nach Belluno und führt dabei durch die berühmten Berggruppen Fanes, Sennes, Nuvolau und Civetta. Besonders eindrucksvoll sind die geologischen Formationen entlang der Route sowie das Farbenspiel der Felsen bei Sonnenuntergang. Die einzelnen Etappen enden dann abends jeweils in gepflegten Rifugios, die für ihre lokale Kulinarik bekannt sind.
Spaghettirunde (Monte Rosa – Schweiz, Italien)
- Länge: 58 km
- Höhe: 4.563 m
- Schwierigkeit: sehr schwer
Die Spaghettirunde ist eine hochalpine Tour für Experten, die in wenigen Tagen bis zu zehn 4.000er-Gipfel erklimmen möchten. Benannt ist die Route tatsächlich nach den italienischen Hütten, die eben mit exzellenter Verpflegung glänzen. Weil die Strecke so schwierig ist, sind hier Gletschererfahrung und Steigeisen nötig. Insgesamt führt der Weg durch Eis- und Granitlandschaften, über das Breithorn, die Vincentpyramide und die Signalkuppe, wo mit der Capanna Regina Margherita auf 4.563 m das höchste Gebäude Europas thront.
Karwendel Höhenweg (Karwendel – Österreich)
- Länge: 70 km
- Höhe: 2.699 m
- Schwierigkeit: sehr schwer
Die sechstägige Tour durch das Karwendel, Österreichs größtes Naturschutzgebiet, ist anspruchsvoll und erfordert Trittsicherheit in schroffen Kalkfelslandschaften. Der Kontrast zwischen einsamen Tälern und dem Blick auf Innsbruck macht diese Route besonders reizvoll. Dazu machen die Übernachtungen auf Hütten wie dem Solsteinhaus oder der Pfeishütte die Höhenwanderung zu einem authentischen Outdoor-Erlebnis.
Berliner Höhenweg (Zillertaler Alpen – Österreich)
- Länge: 71 km
- Höhe: 3.134 m
- Schwierigkeit: sehr schwer
Die anspruchsvolle 8-Etappen-Runde durch die Zillertaler Alpen führt durch das Herz des Hochgebirgs-Naturparks. Stationen wie die historische Berliner Hütte aus dem Jahr 1879 verleihen der Tour alpinen Charme vergangener Zeiten. Auf schroffen Geländeübergängen wie in der Mörchenscharte oder auf dem Schönbichler Horn (3.134 m) erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wenn Outdoor-Fans genau das mitbringen, werden sie etwa mit spektakulären Ausblicken auf vergletscherte Riesen wie den Großen Möseler oder den Schwarzenstein belohnt.
Planung und Vorbereitung
Anforderungen und Schwierigkeitsgrade
Das Wegenetz in den Alpen ist nach einem standardisierten System kategorisiert, das Wanderern hilft, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen:
| Markierung | Schwierigkeit | Charakteristik | Anforderungen |
|---|---|---|---|
| Blau | einfach | Breite Wege und keine Absturzgefahr | Grundkondition |
| Rot | mittel | Schmale Pfade und teils steil | Trittsicherheit |
| Schwarz | schwer | Schmal, ausgesetzt und mit Kletterstellen | Schwindelfreiheit |
| Alpin (Blau-Weiß) | sehr schwer | Weglos, Gletscher und Klettern nötig | Hochalpine Erfahrung |
Dabei ist eine objektive Bewertung der individuellen Kondition wichtig. Schließlich sollte die Ausdauer für eine Mehrtagestour auf jeden Fall reichen, um über mehrere Tage hinweg täglich 5 bis 8 Stunden reine Gehzeit und bis zu 1.200 Höhenmeter im Aufstieg bewältigen zu können.
Routenwahl und Orientierung
Bei der Wahl der Route sollte der Fokus auch bei Höhenwanderungen auf Genuss liegen. Daher empfiehlt es sich, die Etappen so zu planen, dass Pufferzeiten für Pausen oder Wetterumschwünge eingeplant sind. Als moderne Orientierungshilfen sind etwa GPS nützlich, allerdings sollten Höhenwanderer zur Sicherheit auch immer eine klassische Wanderkarte im Maßstab 1:25.000 im Rucksack dabei haben. Wichtig ist auch zu wissen, dass Hüttenplätze besonders zur Hauptreisezeit zwischen Juli und September frühzeitig reserviert werden sollten. Wer zudem flexibel bleiben möchte, wählt Routen mit mehreren Abstiegsmöglichkeiten ins Tal, falls das Wetter oder die Kondition eine Planänderung erfordern.
Wetter, Kleidung und Ausrüstung
- Schuhe: knöchelhohe Bergschuhe mit griffiger Sohle.
- Kleidung: Das Zwiebelprinzip ist Standard. Funktionskleidung, eine wärmende Schicht aus Fleece und eine wasserdichte Hardshell-Jacke schützen vor Auskühlung.
- Sonnenschutz: Sonnenbrille, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und eine Kopfbedeckung.
- Verpflegung: Mindestens 2 Liter Wasser pro Person und energiereiche Snacks wie Nüsse oder Trockenfrüchte.
- Notfallset: Erste-Hilfe-Paket, Rettungsdecke, Biwaksack und ein voll aufgeladenes Smartphone.
FAQ zu Höhenwanderwegen
Was ist der Unterschied zwischen einem Wanderweg und einem Höhenwanderweg?
Ein klassischer Wanderweg führt oft durch Täler oder Wälder und verbindet Orte. Ein Höhenwanderweg verläuft hingegen primär oberhalb der Waldgrenze und folgt Kämmen oder Höhenlinien, wodurch das Bergpanorama über die gesamte Distanz erhalten bleibt.
Welche Jahreszeit ist für Höhenwanderungen am besten geeignet?
Die Saison beginnt meist Ende Juni, wenn die Schneeschmelze in den Hochlagen abgeschlossen ist, und reicht bis in den goldenen Oktober hinein. In dieser Zeit sind die Hütten bewirtschaftet und die stabilsten Wetterlagen zu erwarten.
Benötigen Aktivurlauber für Höhenwanderwege zwingend Wanderstöcke?
Wanderstöcke sind kein Muss, aber eine große Hilfe. Sie entlasten die Kniegelenke beim Abstieg und bieten zusätzliche Stabilität in unwegsamem oder rutschigem Gelände. Besonders bei schweren Rucksäcken auf Mehrtagestouren sind sie sehr empfehlenswert.
Sind Höhenwanderwege für Hunde geeignet?
Viele Wege sind mit Hunden begehbar, erfordern aber eine gute Kondition des Tieres und Erfahrung im alpinen Gelände. Wichtig ist, vorab zu klären, ob auf den Hütten Hunde im Schlafbereich erlaubt sind und ob es Passagen mit Leitern gibt, die für Vierbeiner unüberwindbar sind.
Wie verhalten sich Aktivurlauber bei einem Wettersturz in der Höhe?
Ruhe bewahren ist oberstes Gebot. Bei Gewittergefahr sollten exponierte Stellen wie Grate oder Gipfel sofort verlassen werden. Wenn ein Abstieg nicht mehr möglich ist, sollten Wanderer in die Hocke gehen und Abstand zu Metallgegenständen, etwa mit Wanderstöcken, halten.